Das Joseph-Süß-Oppenheimer-Archiv Stuttgart wird am 30. Juli 2014 von Karsten Michael Drohsel auf dem sog. Galgenbuckel in Stuttgart gegründet und in den kommenden Jahren, im Rahmen seiner Dissertation aufgebaut und weiterentwickelt.

Das Archiv sammelt die sichtbaren und unsichtbaren Spuren Joseph Süß Oppenheimers, an Orten seines Lebens und Wirkens sowie seiner Verurteilung und Hinrichtung in Stuttgart und Umgebung.

Das Archiv wird durch die Arbeit des Souveneurs, einer von Karsten Michael Drohsel im Rahmen seines Diploms entwickelten und eingeführten Sozialfigur, in Stuttgart und im Umland durch verschiedene Performances, Medien, und Objekte sichtbar gemacht und zur Diskussion gestellt. Regelmäßige Workshops und gemeinsames Arbeiten laden ein, den Souveneur zu begleiten und sich selbst mit der Person Oppenheimers auseinanderzusetzen.

Das Archiv sammelt primär Spuren und Objekte, die sich an konkreten lokalen Orten verorten lassen. Das Archiv will keine eindeutige Lesart anbieten, vielmehr bleibt es vage. Es wird also ebenso keine historische Forschung betrieben, wie auch keine Geschichte geschrieben wird. Es werden lediglich Möglichkeiten der Aneignung von historischen Ereignissen angeboten, damit die Archivalien des Archivs von jeder Person individuell gelesen und in einen Sinnzusammenhang gebracht werden können.

Das Archiv akzeptiert, dass Erinnerung immer Erinnerung des Individuums, aus dem jeweiligen Hintergrund, der jeweiligen Erfahrung und der jeweiligen Gegenwart ist. Somit braucht es einen immer wieder von neuem beginnenden Diskurs über die Inhalte dessen, an was erinnert werden und den Modus, wie dieses geschehen soll.

Die Gründung, Bestückung und Archivierung der Materialien des Archivs ist ebenso prozessual, wie es die Erinnerungstätigkeit ist. Diese Prozesshaftigkeit wird durch die Arbeit sowohl des Souveneurs, und später auch des Archivs, sichtbar gemacht. Symbol für diesen Prozess ist das Schild des Archivs, das am 30. Juli 2014 enthüllt und fortan bearbeitet wird.

Das Schild ist aus einem weichen, hochglanzpolierten Plexi-Glas, unbeschriftet, mit Bohrungen zur Hängung. Für jedes Ding und jedes Objekt, das von Archiv aufgenommen und verwaltet wird, wird mit einem rot lackierten Schlosser-Hammer und einem ebenfalls rot lackierten Dorn, ein kleines oberflächliches Loch in das Schild eingeschlagen. Auf diese Weise werden zum einen die Archivalien in ihrer Quantität sichtbar, zum anderen aber auch der Prozess des Zusammentragens, Suchens und Findens. Die Löcher werden so eingeschlagen, dass am Ende des Prozesses der Schriftzug „Joseph-Süß-Oppenheimer-Archiv Stuttgart“ sichtbar wird. Das Schild soll anschließend dauerhaft am Eingang des Archivs in Stuttgart angebracht werden.

Bis zur Verstetigung der Sammlung an einem festen Ort, wird das Archiv nomadisieren und an verschiedenen Orten seine Archivalien präsentieren. Es wird Gast sein in anderen Institutionen, in Galerien, an Schaubühnen, Ausstell-ungsorten und in Kellerregalen. Es wird verschwinden und wieder auftauchen. Deshalb lohnt es sich von Zeit zu Zeit auf diesem Blog vorbeizuschauen um zu erfaren, was es neues gibt, wo das Archiv gerade gastiert.

Unterstützt wird das Projekt durch Harry Walter, Stephan Köperl und Sylvia Winkler, auf deren Einladung der Souveneur tätig wird. Begleitet wird die Arbeit von Gabi Dolff-Bonekämper vom Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin, die die Dissertation betreuen wird. Kooperationspartner ist das Stadtmuseum Stuttgart. Ihnen gilt mein herzlicher Dank!

Postalisch ist das Archiv unter dieser Adresse erreichbar:

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