Was ist ein Souveneur und was macht er?

Ein Souveneur ist eine Sozialfigur, in der Funktion als ein sich selbst und andere erinnernder Flaneur. Der Souveneur begibt sich in das sinnzusammenhängende Erinnerungsgeflecht einer Stadt, um Spuren (Benjamin spricht hier von Schwellen) aufzufinden, diese zu beschreiben, im Nachgang Ereignisse und Geschichte(n) zu recherchieren, Gespräche zu führen. Ein Souveneur initiiert, moderiert und dokumentiert Erinnerungsprozesse und lädt dazu ein, mit ihm zu spazieren, die eigene Geschichte zu erzählen und Geschichten anderer zu lauschen.

Die Idee hinter der Figur des Souveneurs ist, über diesen Katalysator Themen, Orte und Gegenstände zu ermitteln, an denen sich Erinnerungen festmachen, die lesbare Spuren oder Geschichten besitzen, die sich mit ihnen verbinden. Solche Orte sollen im Stadtraum verortet und als ein Erinnerungsnetzwerk organisiert werden, um andere Personen über sie in Kenntnis zu setzen und somit einen Diskurs über lokale Erinnerung zu beginnen.

Über diese Erinnerungsarbeit soll eine lebendige und unmittelbare Erinnerungskultur geschaffen werden, die Anwohner, Akteure und Gäste über gemeinsame Erlebnisse oder einen gemeinsam geteilten Erinnerungsraum zusammenbringt, Ereignisse vergegenwärtigt und somit auch Bezugspunkte bildet, aus denen eine mögliche individuelle oder kollektive Zukunft denk- und generierbar wird.

Durch seine immanente raum- und sozialpsychologische Sichtweise ermöglicht der Souveneur Einblicke in Orte und Räume, die den flüchtigen Passanten für gewöhnlich verschlossen bleiben. Er hebt sich somit von den klassischen Flaneuren ab, die die Flanerie ausschließlich als intellektuellen Zeitvertreib pflegten, ohne jeglichen Zweck damit zu verbinden. Die Flanerie dient ihm als eine Möglichkeit, sich in das Erinnerungsgeflecht eines städtischen Kontextes zu begeben und auf Spurensuche zu gehen. Dies aber nicht zum Selbstzweck, sondern mit dem Ziel des Aufbaus eines Kenntnisschatzes lokaler Erinnerungsspuren, Verweis- und Gedächtnisorte.

Dieser Kenntnisschatz wird auf unterschiedliche Weise dokumentiert und zur Verfügung gestellt und soll anschließend in einen lokalen Erinnerungsdiskurs führen. In Bezug zum Projekt Joseph Süß Oppenheimer in Stuttgart wird z.B. am 30. Juli 2014 ein Archiv gegründet, das innert eines Zeitraums von mehreren Jahren entwickelt und bestückt werden soll). Auf diese Weise werden die (Ge-)Schichten der Stadt und die Rolle, die sie im Alltag der Menschen spielen sichtbar, vermittel- und verhandelbar.

Durch die Methodisierung des Gehens zu Erinnerungszwecken und der Weitergabe des daraus resultierenden Wissens, sollen neue kultursoziologische Sichtweisen auf klassische Felder und Betrachtungsobjekte der Stadt- und Regionalplanung ermöglicht werden. Sie soll eine Erweiterung des Repertoires gängiger Erfassungs- und Dokumentationsmethoden der Denkmalpflege und Stadtforschung bilden, darüber hinaus dazu einladen sich den konkreten Orten, den Menschen und Geschichten einer Stadt zu öffnen, diese zu rezipieren und weiter zu geben.

Advertisements